Ein Lied über die Bockreitertaten der ersten Bande

               von Peter Caspar König, Schaesberg (1716 – 1743)
                          Musik: May Quaedflieg, Landgraaf

(Transkribiert, in stimmige Reime gebracht und durch 5 Strophen

über die Merksteiner Bockreiter ergänzt v. Oswald Ortmanns)
                  
1.) Vernehmt es Freunde jetzt in Eil', was ich Euch nun berichte.
Kommt, Groß und Klein! Ich biet euch feil, `ne schreckliche Geschichte,
was da gescheh`n ganz öffentlich in siebzehn dreiundvierzig.
Jetzt werdet ihr's erfahren, kommt Leute, lasst`s Euch sagen!

2.) Kommt Junge, Alte, Männer, Frau`n, ihr solltet darauf hören!
Ist schrecklich zwar, es anzuschaun, es wird das Herz empören!
Die Trauerklag' von uns'rer Schand geht rund umher im ganzen Land,
hört ihr von unserm Handel und unserm Lebenswandel.

3.)Wir zogen um mit schlechter Tat, doch niemand konnt' es merken.
Bei uns, da gab es nicht Verrat, den Geheimbund tun wir stärken.
die Ursache von unsrer Schand, die ist bekannt im ganzen Land!
Doch unser Lebenswandel! Mim Teufel trieb`n wir Handel!

4.) Ein Wunder ist's, dass unser Gott, solang es hat ertragen,
dass er uns nicht zum Hohn und Spott getötet und erschlagen,
weil wir ohn` Federlesen, getötet menschlich` Wesen,
inmitten von der Nacht, wenn niemand an uns dacht.

5.)In Herbach wohnten Jan und Pitt, die armen Douvenknechte,
und auch die Frau, die nahm man mit und brandmarkte die schlechte.
Die Brüder knüpfte man darauf in Herbach an dem Galgen auf.
Doch als die Annberb kam zurück,   da hing sie bald am Galgenstrick!

6.)Am Kaffeeberg, da stand der Galg, dran labten sich die Raben.
Doch Arnold Paffen nicht so bald wollte dies Los ertragen.
Nachdem man ihn gefangen hat, droht ihm die Folter-Gräueltat!
Da tat er sich ersticken mit dicken stroh`nen Stricken!

7.) Man schleppte ihn drauf durch die Stadt an einer langen Leine,
man knüpfte ihn am Galgen auf, doch nur an einem Beine.
Hier hing er dann als Vogelfraß, bis dass sein Körper fiel ins Gras,
dort musst` man ihn verscharren, ganz Rode tat drauf starren!

8.)In Merkstein fasst` man viele noch und warf sie ins Verlies hinein,
doch fanden sie zum Glück ein Loch, der General Vinck war`s nicht allein!
Drik Gohr und von den Kessels drei, Vorst Jupp, Ernst Will war`n auch dabei.
dr Scheuvens Niys, dr Savelsbergh Pitt, dr Müllers Chris un dr. Jacob Schmitz!

9.)Ich sollt' gestehen hier und jetzt, dass ich auch wurd` gefangen.
weil ich verstieß gegen`s Gesetz, hab` schlimmste Tat begangen.
In Marienberg, wo der Pfarrer gar und seine Magd geschlagen ward,
Mit Öl wollt`n wir sie brennen, die Glock` ließ uns schnell rennen.

10.)Von da ging es in voller Hast mit allen den Komplizen
nach Magerau, nun aufgepasst, wir konnten viel stibitzen.
So quälten wir die Leute, es gab nichts, was uns gereute.
Wir quälten sie mit Flammen, viel Beute kam zusammen.


11.) Es war mit uns jetzt gut bestellt, um einzubrechen diese Nacht.
Drum ritten wir nach Ritzerfeld; der Einbruch ging ganz still und sacht.
Schon war`n die Leut gebunden und jämmerlich geschunden.
Wir nahmen Möbel mit und Speck, auch Geld und Kupfer und Besteck.

12.)Das war's dann Leut', mit dieser Tat will ich das Lied beschließen.
Doch hält sie an die Gräueltat, wie lang soll Blut noch fließen?
Das weiß jetzt keiner ganz gewiss. Vor der Justiz hat man zwar Schiss!
Doch Raubgier spukt in manchem Kopf, bald hat der Henker sie beim Schopf!

13.)Den, der dies Liedchen jetzt beend`t, ein jeder hier bei uns gut kennt.
Auf Jesus hofft er inniglich, obwohl er lud viel Schuld auf sich.
Und täglich auch, wo er auch geht, vergisst er niemals sein Gebet.
Dass Gott ihn hört auf seinem Thron, durch seinen eingebornen Sohn.

14.) Adieu, ihr Freunde, bin bereit, von hier muss ich nun scheiden,
von Weib und Kind für alle Zeit, wie muss mein Herz jetzt leiden.
Den Schandtot sterben ist mein Los. Erkennt darum, ihr, Klein und Groß:
                          „Nur Gott sollt ihr erheben, nur er gibt ewig Leben!“

                                      A - men.